Bucky Fuller Supernerd
Mittwoch, 4. Januar 2006, 17:50Jetzt gab es auf Hacking Kongressen 2 gute Vorträge über Buckminster “Bucky” Fuller. Jetzt fehlt nur noch ein kritischer Beitrag und man hat eine schöne Trinität über Bucky :) Oona? Nächstes Jahr? ^^
Hier mal direkt zum Download und Abstracts:
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What the Hack – Buckminster Fuller: Universal Hacker
Often compared to Leonardo da Vinci, R. Buckminster Fuller (‘Bucky’) was extremely productive in many fields during his 50-year “experiment to discover what the little, penniless, unknown individual might be able to do effectively on behalf of all humanity.�? Among his many revolutionary designs are mass-produced housing, a new geometry system, the first aerodynamic car, a new type of map, and the geodesic dome. Fuller was one of the earliest proponents of renewable energy sources, at a time when the concept was largely unknown. It was his firm belief that for the first time in history, we have the option to produce a high standard of living for all people on an ecologically sustainable basis.
The story of Fuller’s life, his inventions and his ideals is fascinating, yet unknown to most people currently aboard ‘Spaceship Earth’. In this age of globalization, his refreshing worldview is more appropriate than ever and can serve as an inspiration to all who are interested in the application of technology for the benefit of all humanity.
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- 22C3 – Geometrie ohne Punkte, Geraden und Ebenen
Fullers “Synergetics” basieren auf seiner extremen Experimentierfreudigkeit und der Ansicht, dass auch Geometrie eine experimentelle Wissenschaft sei. Als solche müsse sie ohne die gegenwärtig verwendeten abstrakten Konzepte von Punkt, Gerade, Ebene etc. auskommen, da diese “vormikroskopische” Annahmen seien und man inzwischen doch wisse, dass die Welt aus schwingenden “Energieereignissen” bestünde. Im Laufe seines Lebens schuf er sich ein Gedankengebäude, das sich einerseits auf die völlige Vorherrschaft der Empirie stütze, andererseits aber auch von dem stetigen Versuch geprägt war, sich einer Sprache zu bedienen und damit eine Gedankenwelt zu schaffen, die diese Empirie möglichst akkurat wiedergeben würde. Dazu gehörten Wendungen wie die, dass es doch Unsinn sei, 400 Jahre nach Galilei immer noch davon zu sprechen, dass die Sonne untergehe, wenn wir doch alle wüßten, dass sich die Erde dreht… Er versuchte, das “Koordinatensystem der Natur” zu beschreiben, und kam zu dem Schluss, es basiere auf 60°-Winkeln statt auf den 90°-Winkeln, in denen die meisten Menschen, Ingenieure und Architekten immer noch denken. Seine Überlegungen führten ihn zur Konstruktion der “Geodätischen Dome” und einiger anderer Einrichtungen zur Lebenserleichterung; er entwarf schwimmende, tauchende und schwebende Städte, Düsenfahrzeuge für den Individualverkehr und Einfamilien-”Häuser” zum Preis eines Kleinwagens. Er war davon überzeugt, dass die Menschheit weit von einem tatsächlichen Resourcenmangel entfernt sei, und nur einfach schrecklich ineffizient konstruieren würde. Er prägte den Ausdruck des “doing more with less” und glaubte, keine Politik, sondern die Aufhebung des allgemeinen Mangels durch bessere Konstruktion bzw. “Design Science” würde den notwendigen gesellschaftlichen Wandel bewirken. Diese sympathischen Äußerungen darüber, dass man alles noch viel besser machen könnte, wurden begleitet von teilweise recht merkwürdigen Vorstellungen über die Weltwirtschaft und einem spirituellen Empfinden, das heute gerne von Esoterikern vereinnahmt wird. Versuchte er einerseits, möglichst vielen Menschen seine Erkenntnisse nahe zu bringen, so war er auf der anderen Seite ganz Technokrat, der der Welt wünschte, von Ingenieuren bzw. Praktikern der “Design Science” völlig vernünftig gelenkt zu werden.
Mit seinen Vorstellungen von Geometrie begab er sich auf einen Pfad geradezu engegengesetzt zur herrschenden Wissenschaftsauffassung, und seine Pläne zur Behausung von Menschen scheiterten teilweise an so trivialen Dingen wie Bauvorschriften – dennoch kam einiges davon zur Anwendung, bezeichnenderweise hauptsächlich auf den Gebieten des Militärs und der Raumfahrt. Die Chemienobelpreisträger des Jahres 1996 ehrten ihn, indem sie ihre Entdeckung, eine spezielle Gruppe von Kohlenstoffmolekülen, die ihn ihrer Struktur Fullers Domen ähneln, “Fullerene” nannten.
Ich möchte also einen kurzen Überblick über seine Entwürfe und eine Einführung in seine “Synergetics” geben, veranschaulichen, wie diese Gedanken sich in seinen Konstruktionen wiederfinden, und Differenzen und Berührungspunkte mit den “herkömmlichen” Natur- und Technikwissenschaften aufzeigen (so bezieht sich etwa Norman Foster mit der neuen Kuppel des Reichstagsgebäudes explizit auf Fuller und neuere Erkenntnisse der Biologie legen nahe, dass Hautzellen in ihrem Aufbau Fullerschen “Tensegrity”-Konstruktionen ähneln).



scrupeda meint:
Januar 4th, 2006 um 18:36
Ich hätte schon Lust, es wäre auch gar nicht so viel Arbeit, weil ich mich schon bei den Recherchen für diesen Vortrag ständig über ihn geärgert habe. Vor allem sein deutlicher Hang ins Verschwörunsgtheoretisch/Antisemitische (ich sag nur “Grunch der Giganten”) und sein Einfachheits-Fetischismus (die Abneigung gegen irrationale Zahlen, der Zwang sich von allem ein Bild zu machen…) sollten nochmal unter die Lupe genommen werden. Möglicherweise kann man diese beiden Aspekte auch in einen Zusammenhang bringen, dazu kommen seine technokratischen Neigungen und dieser ganze pseudoreligiöse, teleologische Mist von wegen “humanity was designed to be a success” und so. Aber andereseits habe ich eigentlich auch schon wieder zwei andere Vorträge im Kopf, zu zwei völlig anderen Themen, und angesichts dessen würde ich schon lieber über die neuen Themen, als schon wieder über Fuller reden. Nun ja. Oder wollen sie nicht vielleicht selber?
Aber wahrscheinlich kann ihn kaum jemand so gut scheisse finden wie ich, und das ergäbe auch einen lustigen Verwirrungsfaktor…
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Andrej meint:
Januar 4th, 2006 um 18:41
Naja, ich dachte eben sowas wie Bucky Fuller Supernerd. Beatles – The Fool on the Hill und so. Die soziale Ignoranz fand ich bei ihm schon immer faszinierend. Über die Verschwörungstheorien kann ich gar nix sagen, weil ich mich mit denen nie beschäftigt habe. Einfachheitsfetischismus… klar, auf der anderen Seite aber auch eine gewisse Arroganz gegenüber denen die das eben anders sahen/ wissenschaftlicher machten.
Joa, da kann man sich ja übers Jahr vielleicht mal kurz scliessen, Lesematerialien tauschen etc.
Was sind btw deine beiden Themen? :)
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scrupeda meint:
Januar 18th, 2006 um 23:54
Das eine war die Kontrollsucht der deutschen Behörden (ick sach nur RPM – Reichs Post Ministerium) bei der Einführung öffentlichen Radios in Deutschland, die es Goebbels dann sehr leicht machte, das alles feste in die Hand zu nehmen, im Vergleich mit der Entwicklung in den USA. Das ganze könnte man dann noch ein bisschen in Bezug setzen zu aktuelleren Fragen der Kontrolle von Kommunikationsmedien.
Das andere war der Versuch, die Intellectual Property Diskussion nochmal wertkritisch aufzurollen, schon allein so als Übung für mich selber, aber auch, aber auch um mal wieder von der Moral runter und auf die Realität zurück zu kommen. Nun ja.
Fuller würde ich aber schon gründlich ideologiekritisch sezieren wollen. Wenn schon, dann auch richtig.
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Andrej meint:
Januar 19th, 2006 um 0:10
Kontrollsucht: Sobald ich wieder etwas Luft habe (etwa in einem Monat), schicke ich dir die genauen Angabe von Adornos Vergleich des amerik. und deutschen Umganges mit dem Radio als neues Medium.
Zweiteres hört sich für mich interessanter an, ehrlich gesagt (ersteres ist mir schon länger offensichtlich). Wäre schön, wenn man dazu mal was auf deinem Blog lesen kann.
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Alles rund um Hack Angriffe » Blog Archive » Themen der Hacker - What the Hack: Wie sub ist eine Subkultu… meint:
Juni 1st, 2008 um 0:02
[...] ist zu begrenzt, und erinnert mich damit immer an die USA. Da paßt “Freiheit” im Allgemeinen schon eher, was ich im Sinn habe. Ich würde mal tippen, daß die “Hacker” auf diesem [...]
Tinkerbell meint:
September 2nd, 2008 um 1:54
Aehm… Loesch’ doch mal das Trackback vom June 1st, 2008 at 12:02 am, das verweist thematisch nicht wirklich hier her und ist dem ersten Eindruck nach antidemokratisches Zeug…
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Tinkerbell meint:
September 2nd, 2008 um 1:56
Sag mal… Was fandest Du an dem Vortrag am 22C3 denn konkret so gut? Und hast Du evtl. das Video vom WTH noch rumfahren, oder eine funktionierenden URI bei der Hand?
Tinkerbell
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