Überraschung bei der Piratenpartei: Ein Tornado, sie alle zu retten?
Wednesday, 30. April 2008, 8:19Auf der Mailingliste der Piratenpartei hat Twister ihre Kandidatur auf den Bundesvorsitz angekündigt:
Liebe Aktive der Piratenpartei
Bevor die Irritation zu gross ist und die ersten “huch”-Rufe erschallen
möchte ich denn doch mitteilen, dass ich mich
1. in diese Liste eingeschrieben habe obgleich (!) ich noch (!) nicht
Mitglied der Partei bin
und (was viel wichtiger ist)
2. seit heute in der Liste der Kandidaten zur Bundesvorsitzenden wiederfinde
Eine dramatische Wende in der von Querelen geschüttelten Partei. In den letzten Wochen ging es soweit, dass der aktuelle Vorstand anscheinend nicht mehr tagungsfähig war:
Ahoi Vorständler,
ich nehme mir jetzt einfach die Freiheit und lade euch zu der Vorstandssitzung am Mittwoch den 28.04. ein.
Wir hatten jetzt seit dem 26.02. (==> http://wiki.piratenpartei.de/2008-02-26_-_Vorstandssitzung) keinen beschlussfähige Vorstandssitzung.
Ich fordere das dies wieder stattfindet, ansonsten muss ich die Konsequenzen ziehen.
Gruss
Bastian
Die Piratenpartei ist meinem Eindruck nach vom Zerfall bedroht. Uneinigkeit über die politische Ausrichtung, über die zu behandelnden politischen Themen und sogar über einfachste Kompetenzfragen haben die Mitglieder und besonders den Vorstand in meinen Augen desillusoniert und demotiviert.
Die Frage die sich jetzt stellt ist, wie man Twisters überraschendes Antreten bewerten soll und ob ihre Wahl die Partei voran bringen könnte. Ich bin da sehr zwiegespalten.
Twister ist auf vielen Ebenen aktiv. Ob Bundesverfassungsgerichtklagen, Stop1984 oder AK Vorrat; keine datenschutzrechtliche, grosse Akion der letzten 2 Jahre ist nicht irgendwie von Twister beeinflusst gewesen. Einzig die Piratenpartei war sozusagen eine tornadofreie Zone.
Sicherlich hat Twister auch viel bewegt, aber ihre Omnipräsenz bei dem Thema muss auch kritisch hinterfragt werden. Ihre Themen, ihre Denkweise, ihre Art beeinflusst eben nicht nur die bearbeiteten Themen, sondern auch die Art der Organisation. Die Piraten müssen sich fragen, ob sie das wollen, ob sie wollen, ein weiteres “Projekt” von Twister zu werden.
Sollte Twister gewählt werden, glaube ich, dass die Piratenpartei einen grossen Schritt voran kommen würde, da endlich eine verlässliche Person die Leitung des Vorstands hat, die auch die anderen Vorstandsmitgliedern an ihre Pflichten erinnert. Die bisherige Disorganisation würde sicherlich teilweise zurück gehen. Aber, wie sieht es längerfristig aus? Der AK Vorrat befindet sich derzeit auf einer Identitätssuche, da sie ihre Ziele soweit erstmal abgearbeitet haben (BVerG-Entscheidung kommt nicht vor Ende des Jahres…). Wohin mit dem Potential an Menschen und Ideen? Kann Twister der Versuchung widerstehen diese Leute zur PP zu ziehen? Kann sie auch die Arbeit ihrer vielen Projekten von der Partei trennen?
Ich bin mir nicht sicher. Auf jeden Fall ist der kommende Parteitag der PP damit wieder interessant geworden, imho ist damit die PP an sich auch wieder interessant geworden. Warten wirs ab.


