“Was liest du?” – “Grosse Erwartungen”
Samstag, 27. September 2008, 1:50Und?
Ich hab’ mir mehr davon erhofft…
Ich habe heute was gefunden, was sehr typisch für den us-amerikanischen Wahlkampf ist, was hier aber so in der Art nicht praktiziert wird und auch in der Berichterstattung selten erklärt wird. Nennen wir es das “Erwartungsspiel”.
Besondern jetzt, kurz vor den wichigen Debatten, machen die Kampagnen komische Sachen. Sie loben den politischen Gegner in hohen Tönen und versuchen sicherzustellen, dass jeder weiss, das viel von ihm erwartet wird. Beispiel:
McCain sollte eine befriedigenden Auftritt haben gegenüber einen Mann der sich ziemlich gut präsentieren kann. Er sollte präsidial sein und direkt zu den Menschen reden über das an was er glaubt.
(Pressesprecher von McCain)
Wenn er sich verspricht, einen Fehler macht oder es nicht schafft den Spiess umzudrehen wird das ein ernsthafter Schlag gegen seine Kandidatur sein. Angesichts seiner unstettigen Auftritten diese Woche muss er dringend diese Debatte gewinnen um die Themen zu ändern und wieder auf sicheren Grund zurück zu kehren.
(Kampagnensprecher von Obama)
Die Kampagnen versuchen mit allen Mitteln dafür zu Sorgen, dass die Presse die Latte für den jeweiligen Gegner möglichst hoch hängen. Dadurch ist es wahrscheinlicher, dass der diese nicht erreichen kann und somit eher der Kandidat selbst zum Sieger ausgerufen wird.
Ein sehr gutes Beispiel für eben dieses Erwartungsspiel (und vielleicht mit der Grund warum es heute immernoch so gerne spiel) war das erste Fernsehduell zwischen Nixon und Kennedy (1959). Nixon gab nicht viel auf das Duell und bereitete sich nicht besonders vor. Er kam direkt von einer Wahlkampfrede und war etwas heiser, da er eine Grippe noch nicht richtig auskuriert hatte. Er war bleich, sein grauer Anzug verschmoz im Schwarzweissfernsehen mit dem Hintergrund. Kennedy stattdessen erschein ausgeruht und speziell vorbereitet. Er trug einen dunkelblauen Anzug, was ein klarer Vorteil war und Make-up. Die Presse hatte ihn dafür kritisiert, dass er nicht die Tage zuvor Wahlkampf betrieben hatte und erwarteten von ihm nicht viel. Zumal er bei den wenigen Auftritten zuvor fahrig und unorganisiert gewirkt hatte.
Nixon verlor nicht die Debatte. Er war mit Kennedy was den Inhalt anging und die Überzeugungsleistung gleich auf. Aber die Presse hatte vom damaligen Vizepräsidenten erwartet, dass er Kennedy in den ersten 10 Minuten übertrumpfen würde. Das war nicht zu schaffen. Dadurch gewann Kennedy das Duell durch das Verringern der Erwartung auf seiner Seite.
Wenn man das alles berücksichtigt, so stellt sich die Frage, ob McCain mit seinem unorganisierten Auftreten, dem unterbrechen seiner Kampagne und den vielen negativen Stimmen vom “Capitol Hill” in der letzten Woche nicht genau dieses Erwartungsspiel perfekt gespielt hat. Man darf gespannt sein.



Die neuronale Schnittstelle » Mein Verdikt der ersten Debatte meint:
September 27th, 2008 um 4:07
[...] aber McCains brach ziemlich zusammen in meinen Augen. Leichter Vorteil Obama, aber durch das Erwartungsspiel nenne ich das ein klares unentschieden. Wenn euch der Artikel gefällt, bookmarked ihn [...]
Loona meint:
September 29th, 2008 um 16:08
Interessant!
Das neue Design von Deinem Blog gefällt mir übrigens an sich ganz gut. :) Was mir allerdings etwas Probleme macht ist daß der graue Text auf dem weißen Hintergrund nicht besonders gut lesbar ist.
Ich weiß daß mein Blog auch nicht gerade durch auf leichte Lesbarkeit optimiertes Design auffällt, aber bei dem hellen Grundthema Deines neuen Looks sollte sich diese Anpassung doch machen lassen, oder?
CU,
Loona.
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Andrej Reply:
Oktober 7th, 2008 at 13:11
Done :)
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Loona Reply:
Oktober 8th, 2008 at 6:18
Aeh… Ja?
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Andrej Reply:
Oktober 8th, 2008 at 14:03
Na, der Bodytext ist jetzt standardmässig schwarz. Das Erhöht die Lesbarkeit von schwer auf normal. Zusätzlich gabs Beschwerden über die zu helle Hintergrundsfarbe, das habe ich auch mal etwas verändert.